Alles über Reis.

Reis ist die älteste Kulturpflanze der Welt.

Vor über 7’000 Jahren wurde Reis erstmals erfolgreich im heutigen China und in Indonesien angepflanzt. Das kleine Korn hat sich als echter Überlebenskünstler erwiesen: Es gedeiht heute sowohl in Niederungen unterhalb des Meeresspiegels als auch in Höhen über 2’000 Meter. Obwohl die Süssgrasart keine Wasser- pflanze ist, kann sie dank ihres während Jahrhunderten ausgebildeten Wurzelbelüftungssystems auch im sogenannten Nassanbau kultiviert werden. Diese ertragreiche Methode, bei der in der Regel Pflanzensprösslinge ausgebracht werden, bringt heute rund 80 % der weltweiten Reisernte hervor. Dabei werden die Felder mit Wasser geflutet, sodass die rund 1,2 Meter hohen Pflanzen bis zu 20 Zentimeter tief im Wasser stehen. Das hält Schädlinge und Unkräuter fern.

Spektakuläre Reisterrassen.

Eine Sonderform des Nassreisanbaus ist die Anpflanzung in ausladenden Reisterrassen, die durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem aus Bambusrohren und Kanälen den Anbau auch an steilen Hängen ermöglichen.

In Berglagen wird Reis auch im Trockenanbau kultiviert. Der höhere Aufwand bei gleichzeitig geringerem Ertrag machen die Reissorten dieser Anbauweise aber vergleichsweise teuer.

«Möge dein Reis nie anbrennen.»

Um den Reis ranken sich zahlreiche Mythen. Vor allem in den asiatischen Ländern gilt Reis als Symbol für Glück, Wohlstand, Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. Entsprechend heisst ein traditioneller Neujahrsgruss in China «Möge dein Reis nie an- brennen». Für Ostinder hat die «göttliche Pflanze» ausserdem eine Seele, in Malaysia glaubt man, dass jedes Reiskorn einem Geist eine Heimstatt bietet, und in Indonesien wird die Reismutter verehrt.

Gerade auch bei Hochzeiten spielt Reis eine tragende Rolle: In Indien werden der Braut beim Ja-Wort eine Handvoll Reiskörner in den Zipfel ihres Saris gewickelt oder die Frischvermählten lassen sich gegenseitig gesegneten Reis über die Köpfe rieseln. Der in Europa übliche Brauch, das Brautpaar für eine fruchtbare, kinderreiche Ehe mit den Glückskörnern zu bewerfen, soll seinen Ursprung allerdings in China haben.

Weitgehend sinnfrei hingegen ist die im Westen verbreitete Tra- dition, bei einer Aufführung des legendären Musicals «Rocky Horror Picture Show» beim Auftritt der beiden Hauptakteure Janet und Brad Reis auf die Bühne zu schleudern.

Kleines Korn, riesige Vielfalt.

Weiss, schwarz, rot, braun, violett oder grün, lang und dünn oder kurz und rund, nussig, blumig oder nach Kräutern schmeckend, klebrig-feucht oder fast völlig trocken: Rund 120’000 verschie- dene Reissorten wollen Wissenschaftler identifiziert haben, kulti- viert werden davon aber «nur» 10’000.

Zwei Gruppen von Oryza sativa, wie der Botaniker unseren heu- tigen Kulturreis nennt, sind dabei von besonderer Bedeutung: die Indica- und die Japonica-Sorten. Erstere machen rund 80 % der weltweiten Reisproduktion aus. Kein Wunder: Indica-Sorten sind extrem robust und an das tropische Klima angepasst. Ihr typischer Vertreter ist der Langkornreis. Die Japonica-Arten hingegen sind vor allem in den gemässigten Breiten zuhause. Sie haben eine kurze, runde bis ovale Form, quellen beim Kochen auf und werden leicht klebrig.

Der schwarze Wildreis ist übrigens kein echter Reis – er ist ein Abkömmling des nordamerikanischen Wassergrases Zizania palustris.

Ein Korn ernährt die Welt.

Für über die Hälfte der Weltbevölkerung ist Reis eine tägliche Mahlzeit und das wichtigste Grundnahrungsmittel. Während das Korn in den westlichen Industrienationen den Speiseplan lediglich als Sättigungsbeilage ergänzt, trägt es in asiatischen Ländern wie Bangladesch mit bis zu 70 % zur Ernährung bei. Auch in Indonesien und in einzelnen Ländern Afrikas wie Sierra Leone decken die Menschen rund 50 % ihres täglichen Kalorien- bedarfs mit Reis.
Im Gegensatz zu anderen Getreidearten wie etwa Mais wird der allergrösste Teil der Weltproduktion an Reis denn auch für die menschliche Ernährung verwendet: Lediglich 4 % landen im Tierfutter, weitere 3 % in der Industrie und 2 % werden als Saatgut genutzt.

In Zukunft wird Reis als Grundnahrungsmittel noch weiter an Bedeutung gewinnen. Weltweit werden heute Forschungsan- strengungen unternommen, um die Pflanzen resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge zu machen, ihre Toleranz gegen- über Herbiziden zu stärken und damit die Erträge zu steigern. Durch gentechnische Veränderungen werden die Pflanzen überdies mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, um den Nährstoffmangel in verschiedenen Ländern auszubremsen.

Kleine Nährstoffbombe.

Reis ist ein wertvoller Energielieferant. Er ist äusserst fettarm, glutenfrei und enthält zwischen 5 und 11 % Eiweiss. Das kleine Korn, das pro 100 Gramm mit rund 350 Kilokalorien zu Buche schlägt, enthält in erster Linie Kohlenhydrate in Form von Reisstärke. Diese können vom menschlichen Körper einfach aufgespalten werden, weshalb sich Reis auch hervorragend als Ernährung für Sportler eignet.

Den höchsten Vitamin- und Mineraliengehalt weist der Vollkorn- reis auf, der nicht poliert und somit noch von der nährstoffreichen Silberhaut umschlossen ist. Er ist allerdings schwerer verdaulich als sein weiterverarbeitetes, weisses Pendant. Eine Alternative stellt der Parboiled-Reis dar: Dafür werden die Vitamine und Mineralien der Silberhaut durch heisses Wasser gelöst und unter hohem Druck ins Innere des Korns gepresst. So bleiben prak- tisch alle Nährstoffe erhalten.

Unabhängig von der Verarbeitungsform ist Reis im Gegensatz zu den meisten anderen Getreidesorten frei von Gluten und damit ein wichtiger Bestandteil der Ernährung von Allergikern.

In der Region, für die Region.

2016 wurde eine weltweite Rekordernte von rund 750 Millionen Tonnen Rohreis, sogenanntem Paddy, eingefahren. Das ent- spricht knapp 498 Millionen verarbeitetem Reis. Neben wenigen Grossproduzenten bestreiten mit dem Anbau vor allem an die 140 Millionen Kleinbauern vorwiegend in Entwicklungsländern ihren Lebensunterhalt. Nicht einmal 4 % der Welternte stammen aus Industrieländern.
Reis wird heute zwar in über 100 Ländern auf allen Kontinenten ausser der Antarktis angebaut. Der Grossteil, rund 90 %, kommt aber aus Südostasien. Hauptanbauländer sind China, Indien und Indonesien. Das Gros der Ernte landet allerdings in den eigenen Reissschälchen der Anbauländer – nur gerade 8 % gelangen in den internationalen Handel.

Die beiden grössten Reisexporteure mit je rund 10 Millionen Tonnen sind heute Indien und Thailand. Weitere wichtige Lie- feranten für den Weltmarkt sind Vietnam, Pakistan sowie die USA. In Europa beliebt ist insbesondere auch der Risotto-Reis aus Italien. Der wiederum kommt zu einem Grossteil aus der Po-Ebene, die eines der nördlichsten Reisanbaugebiete darstellt und rund einen Drittel der europäischen Reisproduktion liefert.

Bühler und Reis.

Im Jahr 2013 wurde das Bühler Competence Center für Reis im indischen Bangalore eröffnet. Es erstreckt sich über sieben Stockwerke und umfasst eine eindrückliche Gesamtfläche von 32’000 Quadratmetern. Der Standort wurde gewählt, weil Indien nicht nur eines der grössten Anbauländer, sondern auch einer der wichtigsten Abnehmer von Reis ist. Zugleich wird eine gute Erreichbarkeit für Kunden und Interessierte aus der Region sichergestellt.
Das Kompetenzzentrum fungiert auch als Ausbildungsstätte und bietet Kurse für Mühlenbesitzer, Manager oder Operatoren an. Auf den installierten Anlagen können auch Produktversuche durchgeführt werden. Auch die Forschung und Entwicklung kommt nicht zu kurz. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Pro- duktentwicklung und Verbesserungen der Verarbeitungs- prozesse. Kunden können so ihre Fähigkeiten erweitern und neue betriebliche Techniken kennenlernen, ohne weit reisen zu müssen.

Bühler ist in über 140 Ländern der Welt präsent und betreibt Kompetenzzentren in allen wichtigen Reisanbauregionen. Mit Vertretungen vor Ort bietet das Unternehmen hochstehendes Fachwissen und einzigartige Serviceleistungen, die auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Landes zugeschnitten sind – ganz gemäss dem Leitsatz von Bühler: «In der Region, für die Region».

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