Die Seelenverwandten

Veronesi, Italy

Neugierig, wissbegierig, Veränderungen gegenüber offen: Gianfranco Pandolfo und Giuseppe Baldrighi verbindet nicht nur eine lebenslange Freundschaft, sondern auch der gleiche Drang zum Erfolg.

Als der junge Giuseppe Baldrighi im Mai 1987 nach seiner Ausbildung zum Industrieelektroniker frohen Mutes durch die Toskana fährt, passiert er eine grosse Baustelle. Der Fleisch- und Wurstwarenhersteller Veronesi errichtet hier eine neue Fabrik für Futtermittel. Am Strassenrand wirbt ein grosses Schild um neue Mitarbeitende. Giuseppe fühlt sich sofort angesprochen, schreibt kurzentschlossen eine Bewerbung, bekommt einen Vorstellungs- termin – und nach kurzem Gespräch den Job. Schnell sind sie sich einig, er und Gianfranco Pandolfo, der das Werk leitet.

Trotz des Altersunterschieds wird sofort klar: Hier treffen Seelenverwandte aufeinander. Denn so toskanisch-herzlich und gelassen-freundlich beide auch erscheinen: Sie sind umtriebig, ehrgeizig, qualitätsversessen. «Wir funktionieren nach dem Prinzip: Morgen machen wir es noch besser», sagt der 60-jährige Pandolfo. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die bis heute andauert – und die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von Veronesi, an der beide einen spürbaren Anteil haben.

Mit der Attitüde des «Immer-noch-besser-machen-Wollens» nimmt der ältere Pandolfo, der zu dem Zeitpunkt schon seit zehn Jahren bei Veronesi ist, den jungen Baldrighi unter seine Fittiche. Schnell erkennt er seine Qualitäten, för- dert ihn nach Kräften. Zusammen mit einem Expertenteam entwickeln sie die Fabrik in Cremona zu einer Best-in-Class-Anlage – wobei Gianfranco Giu- seppe zeigt, wie Wissenstransfer, kontinuierliche Verbesserung und Team- work gelingen. Gemeinsam optimieren sie die Qualität und Produktivität der Anlage, legen die Grundlagen für künftige Entwicklungen in Richtung Just-in-Time und der vollständigen Digitalisierung und Automatisierung verschieden- ster Prozesse. Weil beide sich bewähren, machen sie Karriere bei Veronesi. Gianfranco wird wieder nach Verona in die Zentrale berufen, um die Pro- duktion aller Fabriken auf der Basis neuer Informatiksysteme auf Just-in-Time-Produktion zu trimmen, bis er schliesslich Mitte der 90er Jahre zuerst Leiter des Verona-Werks und danach Herr über alle Fabriken von Veronesi wird – und dies heute noch ist. Giuseppe darf zu diesem Zeitpunkt eine neue Anlage in Cuneo mit aufbauen und wird schliesslich zum Fabrikleiter ernannt; damals die siebte Produktionsstätte.

«Wir funktionieren nach dem Prinzip: Morgen machen wir es noch besser.»

— Gianfranco Pandolfo, Werksleiter Veronesi

Qualitätssicherung, Automation und Rückverfolgbarkeit
Es sind genau solche Menschentypen, die hinter dem Erfolg ihrer Unter- nehmen stehen. Die den Qualitätsanspruch perfekt umsetzen. Denn: Veronesis Bedürfnisse waren und sind immer noch alles andere als gewöhn- lich. «Unser Ziel ist es, nicht nur Futtermittel zu produzieren; unser Ziel ist es, dem Kunden gesundes und schmackhaftes Fleisch anzubieten», meint Gianfranco. Vor beinahe 60 Jahren begann das italienische Unternehmen mit der Herstellung von Qualitätsfutter und produziert dieses heute in sieben Anlagen in ganz Italien. Die Firma legt grossen Wert auf Futtermittelsicherheit und deshalb auch auf Qualitätssicherung, Automation und Rückverfolgbar- keit. Um ihre ambitiösen Ziele zu erreichen, arbeitet sie mit Bühler als Partner zusammen – und das schon seit 50 Jahren. Ein Ziel ist dabei, null Produkt- verschleppung zu erreichen. Produktverschleppungen kommen dann vor, wenn sich im Futtermittel Substanzen befinden, die nicht hineingehören, sondern aus früher verarbeiteten Chargen eingetragen wurden. Deshalb werden alle Verfahrensstufen durch modernste mechanische und pneuma- tische Fördermittel verbunden, um eine Verschleppung möglichst zu verhindern. Aber auch die Qualitätssicherung bei all diesen Transporten und Prozessschritten während der Futtermittelherstellung ist ausschlaggebend. Die Online-Qualitätsüberwachung – und damit auch die totale Rückverfolg- barkeit – ist heutzutage ebenso wichtig. So muss beispielsweise bei einem Produktrückruf wegen Salmonellenverschmutzung der Futtermüller jeden einzelnen Schritt des Produktionsprozesses nachvollziehen und jede Charge auf ihren Ursprung zurückverfolgen können. «In beinahe endlosen

Diskussionen suchten wir nach Mitteln und Wegen, um dies auf der Basis einer maximal möglichen Prozessautomation und Vernetzung zu realisie- ren», erinnert sich Giuseppe: «Veronesi ist bei weitem unser anspruchs- vollster Kunde», erklärt der Key Account Manager.

Kunde? Ja, Kunde! Denn während die Lebensgeschichte von Gianfranco beruflich weiter bei Veronesi spielt, hatte sich Giuseppe 2001 entschieden, die Seiten zu wechseln. Bühler hatte bei ihm angefragt. Als Giuseppe seinen Vorgesetzten das erste Mal fragte, erhielt er (und Bühler) eine Absage; es gab schlichtweg keine Alternative.
Beim nächsten Versuch zwei Jahre später klappte es dann. Nachdem er das Maximum aus seinem Ingenieurtalent herausgeholt hatte, konnte er der Versuchung nicht mehr widerstehen, in direktem Kontakt mit italienischen Futterkunden zu stehen und sie durch erstklassigen Service glücklich zu machen. Nur vier Jahre später tauchte die nächste Herausforderung auf: Giuseppe wurde die Chance angeboten, von der technischen auf die kommerzielle Seite hinüberzuwechseln und den Verkauf in den Bereichen Futter, Öl und Extrusion zu übernehmen – und damit zu seinem früheren Arbeitgeber zurückzukehren.

Nichts hätte für alle Parteien besser sein können. «Mit Giuseppe auf der Seite von Bühler hatten wir nun jemanden gewonnen, der aus eigener Erfahrung unsere Bedürfnisse bestens kannte und uns deshalb auch bestens beraten konnte», meint Gianfranco. Und persönlich kam er wie- derum mit seinem Freund in engeren Kontakt.

Mit der neusten Technologie von Bühler ist Veronesi führend in der Futtermittelindustrie.

40’000 Messpunkte zur Qualitätssicherung
Gemeinsam feilten sie am Qualitätssicherungssystem weiter – auf der Basis einer besonders reinen Version des schlanken und flexiblen Automations- systems. Veronesi und Bühler haben nun rund 40 Jahre an diesem Automationssystem gearbeitet und es stetig verfeinert und perfektioniert. Heute erfassen Tausende Messfühler die verschiedensten Qualitäts- parameter wie Temperatur, Druck, Zeit, Gewicht oder Festigkeit und speisen sie in das System ein, um online alle Verfahrensschritte und Parameter zu überwachen. «Veronesi kann von einer zentralen Stelle in allen unseren Werken aus alle Produktionsschritte überwachen und so sicherstellen, dass alles plangemäss läuft», erklärt Giuseppe. Gleichzeitig ermöglicht die automatische Steuerung den vollständigen und extrem effizienten Ablauf des gesamten Produktionsprozesses. Jeden Tag werden mehrere Millionen Datensätze aus rund 40’000 Messpunkten in sieben Anlagen verarbeitet, wobei 30 ACOS-Server die zugrundeliegende Infrastruktur bilden. Sollte ein wichtiger Kennwert vom Sollwert abweichen, löst dies unverzüglich Alarmmeldungen aus, die auf Grund klarer Kriterien eskaliert werden. «Alle

Beteiligten werden kontinuierlich über Qualität und Produktion infor- miert, auch über Alarme wie die Lampe, die täglich in meinem Büro auf- leuchtet», sagt Produktionsleiter Gianfranco Pandolfo.

Volle Beherrschung der gesamten Prozesskette
So kann das Unternehmen bei Bedarf jederzeit nachweisen, was entlang der gesamten Prozesskette verarbeitet wurde und wann es verarbeitet wurde. Wer im Supermarkt ein durch Veronesi produziertes Pack Geflügelfleisch oder Schinken oder einen Salami einkauft, kann die Prozesskette bis zum Futtermittel zurückverfolgen, das dem einzelnen Huhn, Schwein oder Rind verfüttert worden ist, und sehen, wie das Produkt hergestellt wurde. «Damit steht Veronesi an vorderster Front der Futtermittelindustrie», ist Giuseppe überzeugt.

Bescheiden wie er ist, lässt sein Freund Gianfranco das unkommentiert; sein Lächeln jedoch zeigt, dass er gegen diese Einschätzung nichts einzuwenden hat.

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